Geschichte des Cajons

Die Geschichte des Cajons

Von der Transportkiste zum Kult-Instrument

Viele moderne Musikinstrumente sind sperrig oder haben viele Teile. Bei manchen braucht man einen Ständer oder einen Stuhl. Aber das Cajon ist eine Trommel, ein Ständer und eine Sitzgelegenheit - alles in einem. Vielleicht ist es wegen dieser Einfachheit über Kontinente und durch Kulturen gereist und eines der heute beliebtesten Schlaginstrumente der Welt geworden.

Die Geschichte des Cajon beginnt in Westafrika, wo die Einheimischen reiche Musiktraditionen mit Schwerpunkt auf Trommeln und Tanzen hatten. Als viele von ihnen gefangen genommen und als Sklaven nach Amerika gebracht wurden, brachten sie diese Kultur mit aber ohne ihre gewohnten Instrumente mussten sie improvisieren. Afrikanische Sklaven an der Küste Perus hatten keine Materialien oder die Gelegenheit eines, ihrer traditionellen Instrumente wie das Djembé oder Dunun zu bauen. Aber sie hatten viele transportkisten. Sie waren nicht nur frei zugänglich, sondern ihre unauffällige Erscheinung half auch dabei, die Gesetze über das Musizierverbot für Sklaven zu umgehen.

Die ersten peruanischen Cajons bestanden aus einer einfachen Kiste mit 5 dickwändigen Seiten aus Holz. Die 6. Seite, die aus einem dünnerem Holzbrett bestand, wurde als Schlagfläche benutzt, auch “Tapa“ genannt. In die Rückseite wurde ein Klangloch geschnitten. Damit der Schall entweichen kann. Als sich eine afro-peruanische Kultur entwickelte und neue Musik- und Tanzformen wie Zamacueca, Fastejo und Landó entstanden, wurde die Cajon zu einem dazugehörigen, eigenständigen Musikintrument.

Bei frühen Variationen wurden die Holzbretter gebogen, um den Klang zu verfeinern, und als das Cajon durch die Abschaffung der Sklaverei noch bekannter wurde, wurde immer mehr improvisiert und experimentiert. Die vielleicht wichtigste Person, die das Cajon in Europa einführte, war der spanische Flamenco-Gitarrist Paco de Lucía. Als er 1977 auf Tournee durch Peru ging, entdeckten er und sein Schlagzeuger Rubem Dantas das Cajon und brachten es zurück nach Spanien. Sie erkannten das Potential für Flamenco-Musik. Durch das Spannen von Gitarrensaiten in der Tapa konnten die Flamenco-Musiker eine Mischung aus Brummen und Snare erzeugen. In Kombination mit dem regulären Basston klang das Cajon fast wie ein herkömmliches Schlagzeug.

Das Cajon setzte sich schnell durch und wurde nicht nur zum Standart-Instrument im Flamenco, sondern auch in der Folkmusik, im Jazz, Blues und Rock. Heute gibt es viele speziell angefertigte Cajons, einige mit verstellbaren Saiten andere mit verschiedenen Schlagflächen und wieder andere mit einem Snare-Mechanismus. Das Grundkonzept bleibt jedoch das gleiche und die Geschichte des Cajon zeigt, dass die einfachsten Dinge das erstaunlichste Potential haben, wenn man sie auch verschiedenen Winkeln betrachtet.